So oder so ähnlich hab ich mich gefühlt als ich das neuste Abenteuer mit dem wohl charmantesten Videospielcharakter unserer Zeit gestartet habe. Die Rede ist natürlich von niemand geringerem als Schatzsucher Nathan Drake, der für mich soviel Menschlichkeit wiederspiegelt wie kaum ein anderer virtueller Charakter.  Die Disk rotiert und das Menü erstrahlt vor meinen Augen. Endlich ist es soweit, denn mal ehrlich, wie lange hat man auf diesen Augenblick gewartet. Das beste PS3-Spiel, ach was rede ich denn da, das beste Spiel aller Konsolen, ach was, das beste Spiel der Welt ist es, das Uncharted, und jeder der was anderes sagt, lügt!…meinen zumindest viele Fans. Ich sehe es ein wenig gelassener und zähle es auf jeden Fall zu den unterhaltsamsten Games dieser Zeit. Begrüßt wird man im Startbildschirm von der alt bekannten Uncharted-Melodie und man fühlt sich sofort heimisch. Es ist fast so als wäre Drake nie wirklich weg gewesen. Bevor das Abenteuer jedoch startet, hat man die Wahl aus 4 Schwierigkeitsgraden, ein fünfter muss erst freigeschaltet werden. Hat man sich für einen entschieden gehts auch schon los mit der Action – ohne Installation versteht sich.

Das Intro beginnt und es fallen als erstes sofort die bekannt professionellen Syncronsprecher aus den Vorgängern auf – feine Sache, das erhöht den eh schon hohen Wiedererkennungswert der Figürchen enorm und die Stimmen waren und sind nach wie vor wieder perfekt besetzt. Auch im dritten Abenteuer klingen die Sprecher übrigens wieder super professionell und sehr authentisch bzw. motiviert, hier hat man das Niveua schon einmal aufrecht erhalten. Ja, man hört einfach gern zu wenn zb. Sully und Nate ein Gespräch über Gott und die Welt führen und sich gegenseitig auf den Arm nehmen. Die Gesichtsanimationen sind zudem wieder hübsch designt und das wichtigste, die Töne die aus den Mundöffnungen kommen sind Lippensyncron. Was zudem gleich auffällt, das hier ist nicht irgendeine Ballergame-Fortsetzung, nein das hier ist verdammt nochmal Uncharted 3 und das zeigt dieses Game auch gleich zu Beginn eindrucksvoll. Denn man bekommt hier sofort wieder ein fantastisch in Szene gesetztes Intro-Video präsentiert, was allein zu diesem Zeitpunkt schon den Großteil der eh nicht vorhandenen Konkurenz, hinter sich lässt und viel viel Lust auf mehr macht.

Es fühlt sich nicht an wie ein Game, es ist ehr so als würde man den dritten Teil eines Blockbuster-Movies einlegen, denn neben der filmreifen Action sind die Viedosequenzen einfach nur Hollywoodreif, und fallen auch deutlich häufiger als in den Vorgängern aus. Doch mit dem wahnsinnig gut inszenierten Intro hört das bei Uncharted ja üblicherweise nicht auf, im Gegenteil, das ist auch hier erst der Anfang, denn kaum schwenkt die Kamera ohne Pause in das spielbare Geschehen, gehts auch schon los mit der Action und man bekommt hier bereits zu Beginn die wohl best-inszenierteste-Kneipenschlägerei der virtuellen Geschichte präsentiert. So muss ein Game beginnen – BAM UND ACTION – und das ist erst der Anfang, denn was hier noch alles an Action folgt, sucht seines gleichen. Was ich damit sagen will, man merkt hier schon welches Niveau das ganze erneut anstrebt. Hier fallen auch die ersten Neuerungen auf . Drake hat kampftechnisch Unterricht genommen und dazu gelernt – es fühlt sich jetzt deutlich dynamischer und runder an, Leute zu vermöbeln, denn hier ist ab sofort timing angesagt und die Moves sind ebenfalls abwechslungsreicher.

Was dann folgt sind ein paar gemächliche Minuten in denen euch das Spiel nicht nur die Charakatere, sondern auch die simple Steuerung näher bringt. Uncharted-Veteranen werden sich sofort zurecht finden, denn große Änderungen hat der Entwickler nicht vorgenommen – warum auch. Das Handling ist für einen 3rd-Person-Shooter nahezu perfekt ausbalanciert. Egal ob schießen, klettern oder in Deckung gehen, alles wird schnell verinnerlicht und geht ohne große Umschweife in Fleisch und Blut über. Ins Auge fallen auch sofort die echt tadellosen und unheimlich realistischen Bewegungen der Protagonisten, allen voran die von Nate. Wenn man mit Drake durch die Straßen schlendert wirkt das so echt, das es schon wieder unecht scheint. Die Körperbewegungen gehen in einen Guss über und man bekommt hier kein standart-Lauf-Schema präsentiert, nein hier sieht jede Bewegung anders aus als die Vorherige…quasi wie in echt…nur virtuell eben ;-)

Nate interagiert zb. auch mit der Umgebung wenn ihr beispielsweise eine Wand streift oder auf ein Objekt trefft – dann streckt der gute Mann zb. seinen Arm dagegen um sich ab zu stützen. Oder wenn man einfach einen Felsen entlang klettert und Nate und seine Begleiter sich nebenbei gepflegt Unterhalten, das ist pure Atmosphäre. Das sind natürlich nur Spielereien, aber sie tragen ihren Teil zum starken Gesamtbild bei. Die Physik ist wirklich gut geworden und eine Verfolgungsjagd zu Fuß zb. fühlt sich hier verdammt echt an, denn die Bewegungen passen sich erneut der Situation an. Heißt: wenn es zb. angebracht ist das Nate sich duckt, dann duckt er sich von allein, wenn er rennen muss, dann rennt er wenn ihr den Stick nach vorn drückt – in Deckung müsst ihr aber immer noch von selbst gehen…und schießen auch.

Die Inszenierung beschränkt sich also nicht nur auf die hübsch gemachten Videos, nein das zieht sich hier wie ein roter Faden quer durch die Kampagne bzw. durch das Gameplay. Drake`s Deception kann aber wirklich locker mit derzeitigen Action-Movies mithalten. Es ist einfach ein Abenteuer das seines Gleichen sucht und es schickt euch wieder an die unterschiedlichsten Orte dieser Welt. Das hier eine Kulisse besser und hübscher in Szene gesetzt ist als die Vorherige, muss wohl nicht erwähnt werden. Besonders die Licht-und Schatteneffekte sehen meist atemberaubend aus und machen dieses Game eben zu dem was es ist. Welche Orte ihr genau bereist wird natürlich nicht verraten, aber seit euch sicher das ihr noch nie solche Kulissen präsentiert bekamt, ganz zu schweigen von der Abwechslung für eure Glubschen. Es haut einen einfach von den Socken wenn ihr mit Nate zb. ein Gebäude erklimmt und die Kamera in die Weitsicht ausschwenkt…hammer.

Das gilt übrigens für nahezu jede Situation – diese sind stets richtig fett in Szene gesetzt, um es mal salopp auf den Punkt zu bringen. Rätseleinlagen sind natürlich auch mit von der Partie und bieten immer eine willkommene Abwechslung. Einige sind mehr, andere weniger knifflig. In jedem Fall ist die Anzahl der Rätseleinlagen deutlich gestiegen und Naughty Dog hat hier definitiv wieder mehr wert auf das Abenteuerliche gelegt – super! Doch leider beschränken sich diese Änderungen nur auf die erste Hälfte des Spiels. Die Rätsel machen übrigens echt Spaß und zur Not kann man immer die Hilfefunktion in Anspruch nehmen. So kommen auch Hobby-Sucher wenigstens auf ihre Kosten und der Spaß wird nicht durch frustiges rummgesuche gebremst. Sonst ist der Spielaufbau auch wieder sehr liniear, aber das dient natürlich der Inszenierung, somit kann man das locker verschmerzen. Die KI der Gegner ist mal so und mal so – einige rennen wie blöd auf euch zu oder verstecken sich hinter einer Deckung, lassen aber die Köpfe vorscheinen, andere wiederum flankieren, schmeißen Granaten und machen euch das Leben hin und wieder echt richtig schwer. Alles in allem ist die KI jedenfalls fordernder als in den Vorgängern, vor allem auf einem der höheren Schwierigkeitsgrade. Zudem muss man sagen, das die Baller-Einlagen ebenfalls reduziert wurden, was ich persönlich sehr begrüße, denn man schafft so Platz für andere Elemente und noch mehr Atmosphäre, neben der Atmosphäre. Doch leider fährt Naughty Dog diese Schiene genau wie bei den Rätseln, nur bis zur Hälfte des Spiels, denn spätestens ab Kapitel 12 verkommen die meisten Abschnitte in reine Baller-Orgien und die Gegner nehmen einfach kein Ende, was irgendwann total nerven kann und die ganze Stimmung schlicht und ergreifend kaputt macht. Hier wirkt Uncharted auf einmal ziemlich einfallslos bzw. eintönig.

UND SONST:

  • Nate springt beim klettern nicht ins Leere sondern nur dahin wo er halt findet, was die Kletterpassagen einfach nur gut aussehen lässt und auch mal der Entspannung dient. Manchmal ist es dann aber auch echt zu einfach weil man nur in irgendeine Richtung drücken brauch und abwartet bis der Typ springt – hier hätte man das ganze doch ein weing fordernder machen können.
  • Zweimal traten bisher kurze Tonaussetzer ein und der Ton ist hin und wieder auch viel zu laut abgemischt, vor allem in den Sequenzen. Desweiteren kamen an einigen Ecken, Grafikfehler zustande, in denen Nate zum Beispiel einfach so 5 Meter durchs Level schwitcht.
  • Besonders bei den bekannten Verfolgungsjagden die natürlich auch hier wieder Einzug erhalten, ist die Kameraführung bisher meist echt unvorteilhaft, und das ist noch nett ausgedrückt  aber is ja der Drake, da kann man das ja machen. Bei einer Mission zb. endet das Game, wenn man von seinen Verfolgern geschnappt wird und hier den richtigen Weg zu finden kann auf Grund der Kamera manchmal echt zur Qual werden weil sie zb. zu nah an Drake klebt und man gar nicht sieht wo man hin soll
  • Bei einem Ableben startet das Game sofort wieder beim letzten Checkpoint, ohne Ladezeiten – Top
  • Koop möglich (On-Offline) – Splitscreen Baby – mit Kästchen aber naja, besser als gar keiner
  • Schätze sind auch wieder in der gesamten Kampagne versteckt, was neben dem Multiplayer den Langzeitspaß ankurbeln soll…naja wenns hilft
  • Drake wird auch wieder nass wenn er sich zb. unter einen Wasserfall stellt oder taucht (Nate hat nämlich neben dem Kampfsport auch sein Unterwasser-Seepferdchen gemacht und kann nun endlich die Luft anhalten – das aber nicht unbedingt lang)
  • 22 Kapitel – Spielzeit beim ersten Durchgang lag bei rund 9 Stunden. Das lässt sich aber natürlich immer schwer pauschalisieren.


FAZIT:
Ist Uncharted 3 ein Kracher – auf alle Fälle. Lässt Nate die Konkurenz wieder weit hinter sich – aber sowas von, da brauch man nicht drum herum reden. Ist die Grafik denn wieder so atemberaubend – definitiv, also man hat sich jedenfalls nicht verschlechtert und auch Teil 3 ist einfach nur Wunderschön, wenn auch nicht hübscher als sein Vorgänger. Ist er nun aber auch spürbar besser als Teil 2 – Auf keinen Fall. Im Kern ist es zwar identisch mit dem Vorgänger, und das ist ein Lob wohl gemerkt, denn dieser war ja schon ein Hit und das Niveau zu halten, ist schon ein dickes Lob wert. Technisch gibt es hier und da aber doch ein paar verbesserte optische Details die das Gesamtbild ein wenig mehr abrunden. Die Erfolgsmischung aus Schießen, Klettern, blöden Sprüchen, Action, coolen Sprüchen, Action, fetter Inszenierung und Rätseln wurde hier zumindest in der ersten (abenteuerlichen)-Hälfte neu gemischt und das gefiel mir deutlich besser als die zweite öde (Baller-Orgien)-Halbzeit, denn hier fällt das Game mit den nie enden wollenden Schussgefechten, in alte Gefilde, die ich zb. bei Teil 2 schon nicht mochte. Auch fand ich die Kulissen (bis auf Frankreich und die Wüste) im Vergleich zum Vorgänger nicht annähernd so interessant bzw. spektakulär, was übrigens auch für die Story gilt – hier fehlte mir im Vergleich zu Teil 2 ein wenig der Pepp und die Tiefe, zudem bleiben viele Nebencharaktere unheimlich blass. Und auch ein Uncharted 3 ist technisch nicht perfekt –  einige Texturen sind nicht sauber getextet und besonders Autos oder Abschnitte die im dunkeln spielen, sehen für die sonst meist tadellose Optik, mega scheiße aus, ganz zu schweigen von den Tonfehlern, wobei diese sicher demnächst mit einem Patch behoben werden. Hier und da merkt man aber auch das Entwickler Naughty Dog langsam die Ideen ausgehen – zb. die reinen Faustkämpfe verlaufen immer nach dem selben Schema – erst die Normalos umhauen und dann den großen Typen – und das letztendlich fast immer auf die selbe Weise. Das gleiche gilt für das Gegner-Design – hier sieht in den unterschiedlichen Abschnitten einer aus wie der andere. Somit verlieren diese Kämpfe spätestens nach dem dritten Mal ihren Reiz. Nichts desto trotz ist Drake`s Deception toll geworden, kommt für mich persönlich aber definitiv nicht an Teil 2 heran. Dennoch führt im Jahr 2011 kein Weg am dritten Abenteuer von Nathan Drake vorbei, denn es unterhällt einfach wie ein gut gemachter Actionfilm, mit einigen Macken.

91%