Alle Jahre wieder beglückt uns die Tom Clancy-Marke mit einem weiteren Kapitel der Gaming-Sparte. In diesem Fall handelt es sich um einen neuen Part der Ghost Recon-Reihe, in Form der „Future Soldier“. Wieviel Zukunft tatsächlich drin steckt, erfahrt ihr im folgenden Test.

WILLKOMMEN IM DRECK:

Alles beginnt wie üblich mit der Steuerung, also hier gleich vorweg. Das Gameplay von „Future Soldier“ ist Shooter-typisch belegt und geht flüssig von der Hand. Die Belegungen sind logisch, recht umfangreich und auch sinnvoll und man bewegt seinen Ghost in bester Militär-Manier durch die unterschiedlichsten Krisengebiete. Hier liegt auch die größte Stärke des Spiels, denn das Gameplay und die damit einhergehenden Bewegungsabläufe sind super authentisch. Wenn das Team zum Beispiel einen VIP in der Diamond-Formation evakuiert, man einen Raum stürmt oder sich in brenzligen Situationen gegenseitig Deckung gibt, dann macht das hier schon ganz schön Laune und versprüht viel positive Energie. Man merkt auch gleich zu Beginn, das die Macher viel Wert auf Authentizität und Stimmung gelegt haben. Die spannenden Schusswechsel, welche natürlich an der Tagesordnung stehen, tun ihr übriges und bieten neben dem starken Gameplay tolle Gefechte im Stehen, Hocken und Liegen. In Deckung gehen, feuern, flankieren, zur nächsten Deckung sprinten oder robben, über Hindernisse springen und weiter zum nächsten Ziel. Aufgewertet wird das Ganze zudem immer wieder mit kleinen aber feinen „Call of Duty“-Momenten. Wobei diese nicht so zünden wie beim Original, denn erlebt man bei „COD“ alles durch die Ego-Perspektive bedingt hautnah, so ist man bei „GRFS“ mehr der Beobachter in den gerenderten Szenen, und das nicht immer sonderlich packend. Die Ki ist im übrigen recht fordernd, vor allem auf einem der höheren Schwierigkeitsgrade. Sie flankieren einen ganz ordentlich, rennen geduckt von Deckung zu Deckung und schießen auf kürzere Distanzen extrem genau. Dennoch entpuppen sich einige der Feinde auch gelegentlich als Kanonenfutter. Wer im übrigen vor hat sich dem höchsten der Schwierigkeitsgrade zu stellen, sollte dies bevorzugt mit menschlichen Mitstreitern im vier Spieler-Coop tun, denn hier zieht „GRFS“ noch einmal alle Register und verspricht tolle Online-Teamgefechte. Einen Splitscreen sucht man leider vergebens.

BAU DIR DEINE WAFFE:

Doch besonders die technischen Finessen wie beispielsweise die Drohne mit der es gilt Tangos zu markieren oder Stromquellen auszuschalten, machen hierbei einen heiden Spaß und bieten immer eine willkommene Abwechslung zu den Gefechten. Future ist hier zum Beispiel auch der Tarn-Anzug der Ghosts, welcher es euch ermöglicht, unsichtbar durch die Lande zu pirschen, sobald ihr geduckt lauft oder kriecht. Richtig gelungen ist auch das Waffentuning, denn hier dürft ihr euch so richtig austoben und euren Schießprügel in alle möglichen Einzelteile zerlegen, um ihn anschließend euren persönlichen Bedürfnissen anpassen, sofern ihr die nötigen Teile freigeschaltet habt versteht sich. Neuer Lauf oder ein größeres Magazin gefällig? Kein Problem. Einen verbesserten Schalldämpfer oder ein stärkeres Visier für die nächste Mission? Ebenfalls kein Ding! Wer Lust hat kann auch einfach nur die Tarnung seiner Knarre ändern und los legen. Kurz, GRFS gibt euch dermaßen viele Freiheiten im Bereich der persönlichen Anpassung der Verteidigungs-und Angriffsmittel, wie schon lange kein Game mehr zuvor in diesem Bereich. Hier ist „Future Soldier“ also durchaus Future.

INNEN HUI, AUßEN PFUI:

Doch kommen wir nun zur Kehrseite der Medaille. Grafisch ist das hier ganz und gar keine Zukunftsmusik und alles wirkt wie fünf Jahre in die Vergangenheit zurück versetzt. Matschige, altbackene und fade Texturen sind leider keine Seltenheit und auch gelegentliche Grafikfehler trüben das Bild. Positiv bereichern dagegen einzig die Licht-Rauch oder auch Partikeleffekte den Bildschirm. Alles andere, wie etwa die Charaktermodelle oder Gesichtsanimationen bewegen sich klar im Standartbereich von vor 3 Jahren. Das Gesamtbild wirkt also nicht unbedingt frisch und auf Höhe der Zeit, aber dennoch irgendwie stimmig. Die Kulissen reißen sich zudem ebenfalls kein Bein aus. Wenn Geografisch auch recht abwechslungsreich, bestechen sie vor allem durch fade und eintönige Architektur und bieten keinerlei optische Highlights oder gar echte Hingucker. In Kombination mit der tristen Optik ist „GRFS“ visuell also kein Überflieger.

FADER BEIGESCHMACK:

In Punkto Story bietet „Future Solider“ ebenfalls nur absolute, belanglose Standartkost. Die Erzählweise ist fortz-trocken wie man so schön sagt und ein roter Faden ist ebenfalls kaum zu erkennen. Die Charaktere tun dabei ihr übriges. Eindimensional, Blass und Austauschbar, um es kurz zu machen, Langweilig. Das einzige was hier richtig gut funktioniert sind die Gespräche, Kommandos und Absprachen innerhalb der Missionen zwischen den Ghosts. Besonders im O-Ton kommt hier echtes Militär-Kinofeeling auf.

Die größte Kritik schreibe ich allerdings den nervigen Ladezeiten zu, denn die sind euer ständiger Begleiter im Kampf gegen den Terror. Egal ob während, vor oder nach einer Mission, es wird immer irgendwo geladen und geladen. Sei es beim Schritt ins Waffenmenü oder nach einem Ableben. Dynamik sucht man hier also auch abseits der Handlung absolut vergebens und das Ganze entpuppt sich häufig als echter Spaßkiller.

FAZIT:

„Ghost Recon: Future Soldier“ ist um es letztendlich auf den Punkt zu bringen, ein solider Taktik-Shooter mit starkem militärischem Gameplay, einer verdammt coolen Sprachausgabe, vielen Spielereien und einer durchaus vernünftigen Spielzeit. Ein Graus ist dagegen der lausige Grafikmotor, die belanglose Story, die nervenden Ladezeiten und die austauschbaren Charaktere. Wer also auf taktische Militär-Gefechte mit haufenweise Technik und Authentizität steht, der sollte unbedingt mal einen Blick riskieren, denn hier macht „GRFS“ durchaus Spaß. Wer allerdings Wert auf eine unterhaltsame Story, Kinofeeling der Marke Call of Duty, interessanter Charaktere und einer Grafikpracht vom allerfeinsten legt, der macht besser einen Bogen um dieses Werk.

76%