Seit hunderten, ach was, tausenden! … nee, nee, vielmehr zigtausenden von Jahren schon kommen Menschen zu mir auf der Suche nach dem, was sie am meisten begehren. Nur wenige finden, was sie suchen. Und noch weniger von ihnen kehren wieder. Willkommen in The Cave (Die Höhle). Das bin ich, die Höhle. Ja, ich bin eine sprechende Höhle!

Mit diesen Worten beginnt The Cave, der neuste Spaß aus der Feder von Ron Gilbert, seines Zeichens Schöpfer von Monkey Island. The Cave, also die Höhle, führt den Spieler auf eine packende 2D-Adventure-Reise voller Rätsel, unterschiedlichster Kulissen und vor allem, viel schwarzem Humor. Denn Humor wird hier ganz GROß geschrieben… hier in der Höhle.

Doch bevor der Knobel- respektive Abenteuerspaß beginnt, stehen euch zunächst einmal sieben Protagonisten zur Auswahl, deren Beweggründe in sehr humor-und liebevoller Art und Weise vorgestellt werden und von denen ihr letztlich Drei mit auf eure Reise nehmen könnt. Zudem bringen alle Abenteurer neben ihrem einzigartigen Aussehen, ihrer kleinen aber feinen Geschichte und ihrem Charme auch eine spezielle Fähigkeit mit ins Spiel, welche für die Höhle unabdingbar ist. Denn nur durch sie erhaltet ihr im Laufe von The Cave Zutritt zu den unterschiedlichen Arealen der Spielfiguren, die neben dem Hauptpfad geboten werden. Zur Auswahl stehen euch beispielsweise eine Abenteurerin, welche mit einem Seil-Haken gefährliche Abgründe überwindet und so unbekannte Orte erkundet. Oder aber ihr greift zur Wissenschaftlerin, welche Computer-Terminals bedienen kann… oder ihr wählt einfach Beide. Habt ihr euch also für drei der sieben Fratzen entschieden, geht’s auch schon ab in die Höhle, auf Wunsch allein oder zu Zweit an einer Konsole.

Im Innern der sprechenden Höhle warten dann, anders als man vielleicht erwarten würde, etliche Überraschungen und raffiniert-designte Areale auf euch. Wer also an einen mageren Trip durch kalte und öde Gemäuer denkt, der liegt damit so weit daneben wie es nur möglich ist. The Cave wartet nämlich zum Beispiel – ohne groß zu Spoilern – unter anderem mit einer Insel, ja genau, einer Insel in einer Höhle, einer Ritterburg oder auch einem Atombunker auf. Das sind natürlich nur ein paar Beispiele der vielen Gebiete die ihr erforschen dürft und überleben müsst. Für optische Abwechslung ist hier in jedem Fall gesorgt. Das beste an The Cave ist allerdings, das sich das Spiel stets selbst herrlich auf die Schippe nimmt. Die Höhle weiß nämlich genau um ihrer abstrusen Abschnitte die sie beherbergt, was sie dem zu Folge auch oft zum Ausdruck bringt und was auf Grund des weltklasse Sprechers garantierte Lacher verspricht.

Das Spielprinzip selbst muss an dieser Stelle denke ich nicht weiter erläutert werden. Es ist im Grunde ein typisches 2D-Jump & Run mit Hüpf,-Kletter- und massig Rätseleinlagen, welche gekonnt wechseln und für regelmäßige Gameplay-Abwechslung sorgen. Die Rätsel selbst bieten dabei eine gesunde Portion aus Standartkram wie Hebel umlegen oder „suche Objekt A und verbinde es mit Objekt B“ und teilweise echten Kopfnüssen wie „führe durch Zeitreisen unterschiedliche Aktionen in mehreren Epochen aus, um schließlich in der Zukunft durch dein Handeln an das Ziel zu gelangen, was du dann wiederum in der Gegenwart verwenden kannst“…is klar oder? Die Sprachausgabe ist dabei übrigens komplett in Englisch, was allerdings auch eine gute Entscheidung der Entwickler war, da so der Charakter und rabenschwarze Humor des ganzen ohne Verluste beim Spieler ankommt. Deutsche Zocker können allerdings auf einen gut übersetzten Untertitel zurück greifen. Zudem sind die teils sehr witzigen Ausschilderungen, Notizen etc. pp. im Spiel komplett ins Deutsche übersetzt.

Ein wichtiges Spielmittel ist das ständige Wechseln der Spielfiguren via Digipad, da Aktionen häufig verlangen, das sich die Figuren an unterschiedlichen Orten befinden und so ihre Fähigkeiten nutzen oder einfach bei einer großen Aktion mithelfen, bzw. diese kombinieren, um ans Ziel zu gelangen. So postiert ihr unter anderem bei einem Manöver einen Charakter an einem Schalter welcher einen Kran bedient, während ihr mit dem Anderen eine leckere Wurst als Falle platziert. Wird das Leckerli schließlich vom Ziel wahrgenommen, wechselt ihr flucks auf den Charakter am Schalter und lasst die Falle zuschnappen. Wer jetzt allerdings denkt, das ihr hier von Gegnermassen überrannt werdet, dem sei gesagt, es ist nicht so. Der Fokus liegt ganz klar auf den Rätseln , den Hüpf,-Kletter-und Laufeinlagen sowie der grandiosen Stimmung. Zwischendurch trefft natürlich dennoch immer mal wieder auf große und kleine Zwischengegner, die durch clevere Kniffe aus dem Weg geschafft respektive umgangen werden müssen. Dies macht jedoch nur einen sehr kleinen Teil aus. Neben den Rätseln gibt es in The Cave natürlich auch etwas zu sammeln, und zwar handelt es sich dabei um leuchtende Glyphen die überall an den Wänden in der Spielwelt platziert sind und bei Betätigung, in kurzen Bildern welche mit einem Kommentar bestückt sind, die Geschichten der Abenteurer Stück für Stück zusammen fügen und erzählen. Und auch der Sprecher, also die Höhle selbst, gibt immer wieder witzige Sprüche zu den jeweiligen Charakteren von sich. Schade ist hier lediglich, das trotz alledem der Handlungsstrang sehr mager ausgefallen ist. Man merkt also stets, das der Fokus ganz klar auf Humor und das Erleben der Spielwelt getrimmt ist.

Die Spielzeit beläuft sich im übrigen, schaut man sich auch mal in der Spielwelt um und deckt jeden Laufweg ab, auf knappe 4 – 5 Stunden. Das ist nicht unbedingt viel, allerdings macht das der Faktor Wiederspielwert wieder wett, da dieser in The Cave enorm hoch ist. Denn durch die Tatsache, das ihr euch vor Spielbeginn auf drei der sieben Charaktere beschränken müsst und so natürlich nicht alle Areale erleben könnt, ist der Reiz ein erneutes Abenteuer mit anderen Helden zu bestreiten, ungemein hoch. Damit wiegt sich das ganze wieder auf und man landet letztendlich in etwa bei 10 Stunden Spiel-und Rätselspaß, was dann doch recht ordentlich ist.

Kurz noch ein Wort zum Multiplayer. Wie Eingangs bereits erwähnt könnt ihr The Cave auch mit einem Freund oder euer Freundin an einem Bildschirm zocken. Doch leider ist der Koop-Spaß nicht ganz so fantastisch ausgefallen wie die Höhle. So lustig es die meiste Zeit über auch ist die Welt gemeinsam zu erkunden, so nervend kann es hin und wieder auch sein. Grund dafür ist, dass das Bild, solltet ihr euch mal zu weit von einander entfernen, nur minimal bzw. gar nicht heraus zoomt und der Spielraum so sehr gering ist. Ihr müsst also immer an einander kleben bleiben, sonst verfolgt die Kamera nur noch einen Spieler und der Andere ist dann einfach aus dem Bild verschwunden. In den Splitscreen schaltet der Bildschirm (wie bei einigen Lego-Games beispielsweise) leider auch nicht. Den Spielspaß bremsen zudem auch einige (sehr wenige) Bugs, wie etwa, das man plötzlich während des Spielgeschehens seine Spielfigur nicht mehr anwählen respektive steuern kann oder das man hinter Objekten hängen bleibt. Hier ist dann meist immer ein erneutes Laden nötig, was allerdings wiederum sehr schnell von statten geht.

 

FAZIT:

The Cave macht das was es soll, es unterhält auf einzigartige Weise köstlich und das von der ersten bis zur letzten Minute. Schon lange hat ein Spiel nicht mehr solch einen Charme versprüht und auch die Lachmuskeln wurden bei mir seit Saints Row 3 nicht mehr dermaßen strapaziert. Ja, The Cave macht durch ihren eigenwilligen schwarzen Humor vieles richtig. Denn die Sprüche der Höhle wie beispielsweise, das man in ihr nicht Sterben kann, da es sonst versicherungstechnische Schwierigkeiten gäbe, sind einfach nur herrlich! Zweideutige Anspielungen stehen zudem ebenso an der Tagesordnung wie knackige Rätsel und durchweg hübsch-designte, sehr abwechslungsreiche Kulissen, welche zum erkunden und schmunzeln einladen. Hier und da gibt es zwar ein paar kleinere Mängel wie die erwähnten Bugs oder die doch recht mangelnde Handlungstiefe der einzelnen Figuren. Diese Punkte trüben den humorvollen Spielspaß der hier stets dominiert jedoch keineswegs und somit ist The Cave ein erstklassiger Arcade-Start ins Jahr 2013.

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