Lust oder Last? Motion Controller und die Zukunft der “bewegenden Spiele”.
Als Nintendo vor zwei Jahren die Wii vorstellte und sich technisch affine Gamer mit den nackten Eckdaten zur Konsole beschäftigten, glaubte wohl keiner an den unglaublichen Erfolg, den der kleine weiße Kasten für Nintendo haben würde.
Und ganz eindeutig wäre dieser Erfolg auch nicht ohne Nintendos Motion Controller “Wiimote” möglich gewesen, denn die Leistungsfähigkeit der Konsole ist begrenzt, vergleicht man sie mit Microsofts und Sonys aktueller Konsole.
Dennoch sind es diese beiden Konzerne, die neidisch auf den Erfolg Nintendos schauen. Und nur sehr selten kann man den Grund für den Erfolg eines Produktes so genau erkennen wie im Falle der Wii mit ihrer “Wiimote”. Da sollte es doch einfach sein, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden, oder? Und tatsächlich zaubert Microsoft mit dem “Project Natal” und Sony mit ihrem noch zu taufenden “Motion Controller” eine ganz ähnliche Lösung aus dem Hut, die sich nach Angaben beider Konzerne bereits seit langem in ihren Entwicklungsabteilungen herumtreibt.
Wie sieht’s denn aus?
Während Sony genau wie Nintendo keinen Abstand davon nimmt, dem Spieler ein Stück Hardware in die Hand zu geben, um darauf Tasten drücken zu können und die Position im Raum zu orten, geht Microsoft ein Stück weiter und verzichtet beim Projekt Natal sogar auf diese Form der Interaktion.
Eine Infrarotkamera soll dabei helfen, den menschlichen Körper genau zu erfassen und dessen Position im Raum zu bestimmen. Vorteil: Selbst bei schlechtem Licht gibt die Körperwärme die momentane Körperposition des Spielers preis.
Sony benutzt ebenfalls ein Bilderfassungsgerät zur Positionsbestimmung- nämlich die bereits bekannte Kamera Playstation Eye. Durch den leuchtenden Ball auf Sonys Motion Controller und dessen Größe ist es nach Sonys Angaben sogar möglich, die Position millimetergenau zu erfassen. Zusätzlich kann dieses System den Spieler durch die benutzte Kamera in das Spiel einblenden und ihm so z.B. ein Schwert oder einen Tennisschläger in die Hand legen.
Und was habe ich als Spieler davon?
Die Technik ist die eine Sache. Eine ganz andere ist aber das, was oftmals bei all dem Innovationsdrang der Spielebranche nur allzu gerne vergessen wird: der Spielspaß.
So groß der Erfolg der Wii auch war, so groß war die Enttäuschung von Hardcorezockern, die sich mit einer schlichten Wahrheit konfrontiert sahen: ein Motion Controller allein macht noch kein gutes Spiel.
Zu holprig waren die meisten Versuche, diese neue Art des Kontrollierens in das Spiel einzubauen. Statt mit dem Gehirn wurde nun durch Schlüsseldrehen, Hebelziehen, Werfen oder Fangen gepuzzlet. Trial-and-Error statt Logik. Leicht sich da als ambitionierter Spieler unterfordert zu fühlen. Neue Spielerschichten und auch neue Altersgruppen haben aber durchaus ihren Spaß daran.
Das Kuriose: das Argument “Spieltiefe” gilt für diese neu aufgetane Zielgruppe nicht einmal, denn dazu verbringen Gelegenheitszocker einfach nicht genug Zeit mit den Spielen, um darüber enttäuscht zu sein. Im Gegenteil schätzen viele dieser “Casual Gamer” also Gelegenheitsspieler sogar diese sehr simplen Spielkonzepte.
Kann das denn alles sein?
Der Erfolg aller Motion Controller wird in großem Maße davon abhängen, wie das Bedienkonzept in das Spiel integriert wird und ob es überhaupt bei dem jeweiligen Spiel Sinn ergibt. Und genau aus dem Grund sieht sich Nintendo plötzlich mit einem Nachteil konfrontiert, den Microsoft und Sony nicht haben:
Ironischerweise versetzt nämlich die späte Markteinführung der neuen Controller-Technologien Microsoft und Sony in die glückliche Lage, dass der Motion Controller (oder eben Natal) im Gegensatz zur Wiimote eben nur ein zusätzliches Gerät ist- also nicht der Standard-Controller.
Sony und Microsoft haben es daher selbst in der Hand für ihre eigenen Spielepublikationen und auch für 3rd-Party-Publisher die Richtung vorzugeben, in der Motion Controller Anwendung finden sollen.
Pusht man hier zu stark, läuft man Gefahr, sich in genau dieselbe Ecke wie Nintendo zu stellen. Allerdings mit fatalen Folgen, denn sowohl Microsoft als auch Sony blicken auf eine weit breitere Basis an ambitionierten Spielern. Das Gewinnen von Gelegenheitsspielern ist also für Microsoft und Sony eher eine Art Sammeln von Bonuspunkten, als es das für Nintendo ist.
Eine schlichte Wahrheit sollten alle drei Konzerne dabei schon festgestellt haben: Der Geschmack von ambitionierten Spielern und Gelegenheitszockern ist doch sehr unterschiedlich. Schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen.
Hoffentlich sehen die Entwickler aber auch die Chancen in der Entwicklung: Wird der Motion Controller in einem Spiel als rein zusätzliche Funktion verstanden, also auch komplett abschaltbar sein, kann dieses Spiel alle Spielergruppen erreichen, ohne Hardcorezocker zu unterfordern oder Casual Gamer abzuschrecken.
Also wie soll ein gutes Spiel mit Motion Controller-Unterstützung denn nun aussehen?
Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns am allerbesten einmal Sportspiele an. Macht man hier einen Schnellschuss und sagt, dass sich Motion Controller für Sportspiele sicher anbieten, ist man direkt in die Falle getappt. Sicher- niemand wird wohl bezweifeln, dass ein Tennisspiel wie geschaffen für das Motion Controlling ist, doch welche taktischen Möglichkeiten gibt es selbst bei einem so geeigneten Kandidaten wie einem Tennisspiel?
Wie soll man bei Natal, ohne etwas in der Hand zu haben, dem Spiel signalisieren, dass man an’s Netz stürmen will, wenn man einen Meter vor dem Bildschirm steht? Wie erkennt das Spiel den Unterschied zwischen Topspin und Slice?
Gar nicht? Gut- das haben wir bei Wii Sports gesehen. Lustiges Spiel, das für kurze Zeit begeistern kann. Einen Hardcorezocker hält es aber nicht mehr als ein paar Stunden vor dem Bildschirm. Zu begrenzt sind seine taktischen Möglichkeiten. Die Wiimote selbst hätte weit mehr Möglichkeiten geboten als letztendlich rausgeholt worden sind.
Hier punktet aber auch Sonys Motion Controller, der dem Spieler duch die Tasten noch Möglichkeiten der Interaktion mitgibt.
Aber auch Fußball ist ein typisches Sportspiel. Zwingt man hierbei den Spielern den Motion Controller auf, kann man eigentlich nur verlieren. Zu artfremd ist die Bedienung über das Zeigegerät. Hier punktet wiederum Natal, das den ganzen Körper erfassen und somit beispielsweise eine Schussbewegung erkennen kann. Aber Vorsicht: Es gibt keinerlei Möglichkeiten bei einem Spiel wie FIFA, den Spieler punktgenau zu steuern. Man kann diesen Fall am besten mit einer Maussteuerung vergleichen. Der Zeigefinger ist der Mauszeiger. Möchte man nicht die Spieler wie einen Esel einer Möhre folgend per Fingerzeig anweisen, bleibt nur die Bedienung über einen ganz normalen Standardcontroller, will man auch nur ein Mindestmaß an taktischer Tiefe bieten.
Und was kommt jetzt?
Die nahe Zukunft wird uns allen zeigen, wie sich Microsoft und Sony die Zukunft der Motion Controller und “alternativen Bedienkonzepte”, wie es leicht holprig heißt, vorstellen.
Die ultimative Zukunft des Gamings wird es wohl aller Voraussicht nach nicht sein, denn bei all der Euphorie für Neues darf man eines nicht vergessen: Bewegungssteurung allein ist kein Garant für Spielspaß!
Versäumt man es, sowohl Gelegenheitsspieler wie Hardcorezocker anzusprechen, werden solche Systeme keinen langfristigen Erfolg haben. Aber es ist eine große Chance, beide Lager zusammenzubringen.
Die Qualität der Spiele selbst und wie sinnvoll und präzise sie zu bedienen sind, wird über deren Erfolg entscheiden. Das klingt doch irgendwie vertraut, oder? Klar, denn so war es ja schon seit je her. An diesem simplen Prinzip ändert auch ein Motion-Controller nichts.
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