Lange hat es gedauert, doch nun feiert der berühmte Cop mit dem Hang zur Selbstzerstörung sein Comeback. Max Payne, einer der wohl abgewracktesten Videospielcharaktere mit der ungesunden Vorliebe zu Schmerzmitteln, gibt sich erstmals auf Playstation 3 & Co. die Ehre. Ob der Ausflug gen Süden richtig gelungen oder doch nur öder Durchschnitt ist, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Eins gleich vorweg. Im Kern ist „Max Payne 3“ ein Shooter wie er im Buche steht. Hart, Gewaltätig, Geradlinig, Gnadenlos und Bitter. Doch wie spielt sich dieser virtuelle Action-Streifen denn eigentlich. Um es kurz zu machen, wie ein reinrassiger 3rd-Person-über die Schulter-Shooter. Man merkt „Max Payne 3“ ist ein Shooter, man merkt „Max Payne 3“ will ein Shooter sein und man merkt leider auch schnell, das „Max Payne 3“ überhaupt nicht mehr sein möchte, doch dazu später mehr. Zunächst einmal funktioniert das Gameplay wie zu erwarten war absolut erstklassig. Die Steuerung ist durch und durch stimmig belegt, in Deckung gehen geht mit einem Tastendruck locker von der Hand und auch sonst ähnelt das Ganze hier dem üblichen Gears of War-Stil. Das magere Waffenarsenal, welches mit den üblichen Verdächtigen daher kommt, wird über die LB-Taste angewählt und dann heißt es vortan nur noch Ballern, hin und wieder mal Ducken, dann wieder Ballern, in Deckung gehen, Bullet-Time aktivieren und wieder Ballern. Dieses Schema zieht sich durch die gesamte, rund 9-12 stündige, schlauchförmige, überdurchschnittlich lange Kampagne und wartet neben einem filmreifen Erzählstil mit Splitscreen-Elementen und regelmäßig wechselnder Kulisse, auch hin und wieder mit knackigen Gameplay-Highlights auf, wie etwa der fast schon obligatorische Sprung durch ein Fenster in Zeitlupe, der Sprung mit einem Bot in Zeitlupe, einer Explosion in Zeitlupe oder eben irgend etwas anderes Knackiges in Zeitlupe. Das alles wird dann immer noch mit Schusseinlagen garniert und fertig ist „Max Payne 3“. Ihr merkt schon, das Grundprinzip Bullet-Time ist immer präsent. Das hat aber natürlich auch seinen Grund, denn der gute Max ist ja bekanntlich der Erfinder der Bullet-Time und so wurden viele Zeitlupen-Szenen gekonnt ins Bullet-Time-Gameplay und den Handlungsablauf eingebaut und das passt soweit.  An der Präsentation scheitert „MP3“ also schon einmal nicht unbedingt.

Die Grafikengine macht dabei im übrigen eine durchaus gute Figur. Schöne Licht-und Partikeleffekte, meist sehr hübsche Kulissen, stabile Bildrate, saubere Konturen, so weit so gut, jedoch reißt man sich hier auch kein Bein aus. Eine gute Figur macht übrigens auch die KI der Gegnertruppen. Diese ist fordernd, flankiert euch, geht fleißig in Deckung, wirft Granaten und geht auch mal frontal zum Angriff über. Die Bewegungen sind dabei super flüssig und alles geht in einen Guss über. Trifft man einen Feind beispielsweise am Bein, sackt er in sich zusammen und schießt gegebenenfalls noch vom Boden aus auf euch. Kopfschüsse oder allgemein kritische Treffer schalten die Tangos dagegen sofort aus, was auch häufig eindrucksvoll in, na, na, na, genau, Zeitlupe präsentiert wird.

Also ist „Max 3“ jetzt das ultimative Shooter-Erlebnis oder wie? Nö, denn es gibt auch Schattenseiten. Schaut man nämlich hinter die tolle Inszenierung und das ganze Bullet-Time-Gedöns, merkt schnell das noch deutlich Luft nach Oben gewesen wäre. Die Story zum Beispiel, ist zwar Filmreif inszeniert keine Frage, im Kern ist sie aber bei weitem kein Highlight, auch wenn man sich hier offensichtlich stark am Denzel Washington-Actioner „Mann unter Feuer“ orientierte.  Die Grundsubstanz ist natürlich stark und in einem zwei Stunden-Film mit Denzel funktioniert das Konzept auch super, allerdings war das für dieses Game, welches locker das vier-bis fünffache der Zeit füllen muss und der heutigen Konkurenz, viel zu schwach und wenig bis gar nicht motivierend. Die Erzählstruktur ist super linear, mega flach, eintönig und dazu noch recht abwechslungsarm. Es geht im Kern einfach nur darum, alles und  jeden im nach einiger Zeit monotonen Gameplay-Stil, wenn möglich natürlich in Zeitlupe, nieder zu ballern und das an den unterschiedlichsten hübschen Kulissen, mehr nicht. Hier fehlte mir stellenweise echt die Motivation weiter zu machen, denn es gab weder Spannungsmomente noch Überraschungen und ich sehnte mir häufig den Abspann herbei. Hier haben die Macher definitiv nur das allernötigste auf die Beine gestellt. Ach ja, apropos Kulissen. Diese sind übrigens gut gewählt, durch und durch stimmungsvoll und bieten architektonisch recht viel Abwechslung.

Abseits der faden Story kommt hinzu, das der gute Max neben den Shooter-Einlagen nicht viel zu bieten hat. Richtig gute Kniffe oder nennenswerte Abwechslung sucht man hier nämlich vergebens. Neben vergoldeter Waffenteile, welche immer irgendwo herum liegen und einiger recht sinnlos verstreuter Beweise welche man „begutachten“ darf, hat „MP3“ nichts weiter zu bieten. Es bleibt also wirklich nur der linearen Handlung zu folgen und sich Schlauchlevel für Schlauchlevel durch die Gegnermassen zu ballern, in Zeitlupe versteht sich. Die Gegnermassen übertrumpfen zahlenmäßig übrigens sogar einige „Uncharted 3“-Parts und warten in der Regel mit einer gefühlten Armee auf euch, was nicht nur der Authentizität, sondern vor allem dem Spielspaß und Fluß, nicht unbedingt zugute kommt. Mir kam es häufig sogar vor als würde man gegen das gesamte Land kämpfen und nicht gegen irgendwelche Entführer oder Gangs. Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen, denn stellenweise nervte es nur noch weil das ganze kein Ende nehmen wollte und man das Spiel zudem auf diese Weise künstlich in die Länge zog.

Was mich dagegen richtig am dritten Max-Abenteuer gestört hat waren neben den ständigen Selbstgesprächen die der gute Mann immer und überall mit sich selbst führte und in seinen Bart brabbelte, und natürlich diesem nervigen Konzept „zwei Minuten Gameplay-kurze Cutszene-drei Minuten Gameplay-wieder Cutszene“, dieses enorme Selbstmitleid und Geheule, was er regelmäßig zum Ausdruck brachte und schon, ja, fast zur Memme mutierte. Ich mein, es ist ja durchaus mal eine willkommene Abwechslung ein solches Wrack durch die virtuelle Welt zu führen, aber dieses ständige „mir geht`s scheiße“, „mein Leben hat keinen Sinn mehr“, „ach wäre ich doch bloß tot“ oder „früher war schon alles beschissen“, „ich saufe ja den ganzen Tag und meine Niere findet das gar nicht schön“ bla bla bla, nervt ab einem gewissen Zeitpunkt gewaltig. Sorry, aber hier hätten sich die Macher mal lieber mehr um eine stärkere Handlung und mehr Abwechslung im Gameplay kümmern sollen.

Oben drauf kommt noch, das Rockstar-typisch natürlich keine deutsche Sprachausgabe auf der Disk ist, was ich in diesem Fall absolut negativ ankreide. Bei einem riesigen Open-World-Game der Marke „GTA“ oder „Red Dead Redemption“ verstehe ich diesen Schritt ja durchaus, aber bei einem normalen Action-Titel darf man sich doch bitte nicht zu fein sein, mal ein wenig in eine ordentliche deutsche Syncro der Marke „Uncharted“ zu investieren. Da lasse ich die berühmte Ausrede „zu Gunsten der Authentizität“ auch nicht mehr gelten, selbst wenn der O-Ton natürlich auch hier wieder erstklassig ist. Kurz, Leute die der englischen Sprache nicht mächtig sind werden auch hier erneut Probleme haben dem selbstmitleidigen Gelaber und der seichten Story zu folgen, da die Dialoge natürlich häufig während der Action stattfinden und dem Untertitel zu folgen, hier dann nicht so gesund ist.

Ein weiterer Flop ist das altbackene Heilungssystem, denn dieses besteht schon wie anno dazumal aus Schmerztabletten die überall in den Leveln verstreut sind. Das mag dem Charme der Serie ja zugute kommen und auf einem der unteren Schwierigkeitsgrade nicht sonderlich auffallen. Gehts allerdings ans eingemachte, fehlt die gute „in Deckung gehen und warten“-Methode schmerzlich. Hier hätten die Macher einfach eine Option offen halten und den Spieler entscheiden lassen können.

FAZIT:

Alles in allem ist „Max Payne 3“ ein durchaus ordentlicher 3rd-Person-Shooter mit knackigem, hartem, filmreifen 18er-Gameplay, verdammt cooler Bullettime-Momente, netter Kulissen, einer überdurchschnittlich langen Kampagne und brauchbarem Grafikgerüst. Der Rest ist dagegen nur Mittelmaß oder fängt irgendwann nur noch an zu nerven. Die Story ist 0815, genau so wie das lausige Ende oder das unspektakuläre Waffenarsenal. Das Heilungssystem ist altbacken und kann hin und wieder echt frusten. Das Gameplay ist spätestens ab der Hälfte verdammt monoton und eine deutsche Sprachausgabe sucht man weit und breit vergebens. Hinzu gesellen sich teilweise nie enden wollende Gegnermassen und nerviges Selbstgebrabbel darüber, wie kaputt man doch eigentlich ist. Im Prinzip hätte Max die 80% gerade so geknackt, auf Grund der fehlenden deutschen Sprachfassung reicht es jedoch nicht.

78%