Die Sonne ist schon längst untergegangen. Am Horizont zeichnet sich noch ein schwacher Lichtschleier ab. Davor sieht man den durch die Heckleuchten des Rallycars rot erhellten Staub der Schotterstraße aufsteigen. Andere Szene: Stadtdurchfahrt. Vorbei an Schaufenstern mit schicken Schaufensterfiguren, die sich in der Seitenscheibe des Rennautos widerspiegeln. Zuschauer winken am Straßenrand und das Auto hebt ganz leicht mit dem Vorderrad ab, nachdem es über einen mit Gummiabrieb überzogenen Schweller gefahren ist.

Klar: Die Rede ist von Gran Turismo 5. Alles ist so perfekt. So klar und unglaublich gut aussehend, dass man eigentlich schon von Fotorealismus sprechen muss. Und das ist keinesfalls abwegig, denn für die 20 Landschaften des Spiels (viele davon mit mehreren Strecken) wurde alles haarklein vermessen, abfotografiert, die Fotos zu Texturen gemacht und die Strecken bis in den kleinsten Winkel texturiert. Das ist fast schon kein Spiel mehr. Das ist fast schon digitale Kunst.

Verrückt? Besessen? Allerdings. Aber normal für Kazunori Yamauchi, den Geschäftsführer und Inhaber von Polyphony Digital, die seit 3 Jahren nichts anderes machen, als ein Stück Realität möglichst genau nachzubilden. Das Ergebnis: Die Bilder hier sehen allesamt aus wie die Fotos der Vorlagen mit denen die Screenshots gemacht wurden. Nur das das hier eben alles Ingame-Screens sind. Kein Fake. Alles ab November in Bewegung zu bewundern.

Wer sich mal mit Yamauchi befasst weiß, dass der Multimillionär ein fast schon krankhafter Perfektionist ist. Der Anschnallgurt ist etwas breiter als im Originalwagen? Korrigieren oder gleich neu machen!
Seine Liebe zum Rennsport ist grenzenlos. Vom reinen Studiochef hat er sich durch seine Arbeit und sein Vermögen mitten in die (echte) Rennszene gebracht. Seit dem “Projekt” Gran Turismo ist er als aktiver Pilot unter anderem das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring gefahren, hat zig Werksrennen unter anderem für Nissan bestritten und war sogar Pate der Modellneuvorstellung des Nissan GT-R V-Spec. Eine echte Rennmaschine. Und eine große Ehre für Yamauchi.

Auf das, was dabei rauskommt ist die Welt gespannt. Head-Tracking, volle 3D-Unterstützung, ein Schadensmodell, das bis in den Innenraum reicht, die 2011er Nascar-Serie und so weiter sind die Versprechen, die Polyphony einhalten muss. Aber man muss sich da keine Sorgen machen. Es dauert zwar alles eine Ewigkeit, aber das was Yamauchi mit Polyphony macht, wird in jedem Fall perfekt gemacht. Ansonsten würde es gar nicht gemacht werden. Bis ins kleinste Detail absoluter Perfektionismus. Eben ganz oder gar nicht. Und das bei den über 1000 Wagen, die das Spiel haben wird. Absolut krank und vollkommen irre. Aber guuut.

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