Die Musik kann man in zwei Grundbereiche einteilen: E-Musik und U-Musik (es gibt noch einen dritten, den ich hier der Einfachheit mal weglasse). Wenn das E für ernst(haftig)e Musik steht und das U für Unterhaltungsmusik, dann könnte man dieses System ziemlich ähnlich auf die Gamer übertragen. Hier gibt es auch ernsthafte Spieler und die Casual-Gamer, die eher zwischendurch spielen, denen es egal ist ob die Trophäen/Achievements dafür bekommen und die auch nicht bei der Arbeit über die gespielten Spiele diskutieren. Die eben zur reinen (Zwischendurch-)Unterhaltung zocken.

Wenn mich jemand vor einem Jahr noch gefragt hätte, zu was ich mich selbst zählen würde, dann hätte ich ohne zu zögern gesagt, dass ich ernsthafter Gamer bin. Ich strebe immer hohe Positionen in den Highscore-Listen an, schaffe es meist auch in die oberen 10%, mir ist mein Trophy-Level nicht egal und auch sonst lese ich mich in die Spiele ein und geh fast wissenschaftlich an die Sache ran. Ich schreibe für dieses Magazin und helfe in Foren Leuten, die Probleme haben, bestimmte Stellen in einem Spiel zu schaffen. Also wenn das nicht ernsthaft ist, dann weiß ich es auch nicht!

Das hätte ich damals geantwortet. Doch jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das noch antworten könnte, oder quasi dürfte. Ich mutiere nämlich. Ich entwickle mich zurück. Ich bin Opfer einer Devolution, könnte man sagen. Vom ernsthaften Gamer hin zum Casual-Gamer. Und zwar in allen Ausprägungen.

Mein Hauptproblem ist die Zeit. Mein Beruf lässt mir derzeit viel zu wenig Freizeit. Und wenn ich Abends Zeit hätte, bin ich zu kaputt um mich noch konzentrieren zu können um bei komplexen Spielen wirklich was reissen zu können. Ich ertappe mich nicht nur dabei, dass ich einen Film mit Füße hochlegen dem konzentrierten Controller-Einsatz immer häufiger vorziehe, ich entwickle mich sogar noch weiter zurück:
Ich spiele immer öfter nur noch Spiele, die keine besonders große Denkleistung von mir verlangen und, noch wichtiger, in kleinen Dosen genossen werden können. Wie Rennspiele zum Beispiel. Konsole anwerfen, halbe Stunde „rumfahren“ und dann wieder ausmachen, weil ich zu müde werde.

Bei komplexen Storylines, zum Beispiel von Rollenspielen, habe ich den Punkt schon wieder vergessen wo ich war und mit wem ich sprechen muss, weil ich das Spiel vier Wochen nicht mehr in der Konsole hatte. Mir dann erst wieder das Questlog oder das Missionsbuch durchzulesen und mich wieder in die Story und die Charaktere reinzufummen ist mir dann meist zu aufwändig. Erst Recht, wenn ich nur eine halbe Stunde Zeit zum Zocken habe.

Und dann sind da ja auch noch die Handyspiele, wie Angry Birds, Flight Control, Tiny Wings usw., die es teilweise sogar auf die alt-ehrwürdigen Konsolen schaffen. Spiele mit „Fire-and-Forget“-Charakter. Keine oder dämliche Storyline, die sich kein Mensch merken muss oder auch sollte. Vor allem aber sind die Spiele genussfähig selbst in kleinsten Dosen. Die 5-Minuten-Terrine zum Zocken, könnte man sagen.
Das Tages-Zock-Pensum kann man da schon nebenbei auf der Toilette oder beim warten auf einen Download erfüllen. „Schöne“ neue Casual-Gaming-Welt. Kein nerviges Vergessen mehr, an welcher Stelle der Story man das letzte Mal die Konsole ausgemacht hat.

Natürlich ist das mit dem Vergessen auch ein altersbedingtes Problem- äh- ich wollte sagen Phänomen. Solange mich die Devolution nicht zum Quastenflosser werden lässt, muss ich mir wohl keine wirklichen Sorgen machen. Eher die richtige Wahl an Spielen treffen. Aber das ist nicht so einfach, denn die Spiele werden immer komplexer. Was ja eigentlich auch gut ist. Nur eben nicht für überarbeitete, alte Gamer wie mich, die sich immer weiter zurückentwickeln.

Das bringt mich zu einem, meinem ganz persönlichen Fazit: Früher war alles besser- selbst das, was nicht besser war.