Requiescat in Pace, Ezio Auditore. Der Altmeister ist im neusten Abenteuer der Assassin`s Creed-Reihe im wahrsten Sinne des Wortes, Geschichte. Denn nun regiert ein neues Jahrhundert nach seiner Zeit das AC-Universum und es übernimmt ein neuer, frischer Charakter mit dem schlichten Namen Connor, sein Vermächtnis. Also, andere Zeit, anderer Ort, anderer Meuchelmörder. Ob der inzwischen fünfte Teil was geworden ist und vor allem wieder so begeistern kann, erfahrt ihr im folgenden Pro/Contra-Test.

PRO:

  • Starke Synchronisation: Die deutsche Lokalisierung ist, um das gleich mal vorweg zu nehmen, absolut erstklassig. Unter den professionellen deutschen Sprechern befinden sich viele bekannte Synchronstimmen, wie etwa die von Liam Neeson oder 007-Daniel Craig, um nur einige zu nennen. Diese hauchen der ganzen Stimmung die nötige Portion Pepp ein und vermitteln stets ein glaubhaftes Feeling während der gelungenen Dialoge.
  • Riesige Spielwelt: Anders als im Vorgänger Revelations, fällt die betretbare Welt in AC:3 endlich wieder deutlich größer aus, ist in mehrere Areale respektive Abschnitte unterteilt, welche jeweils eine ordentlich erkundbare Fläche aufweisen und zudem spielerisch durch knackige Bergabstriche, tiefe Wälder, kleine Dörfer und Seen bzw. Flüsse auch reichlich Abwechslung bieten.
  • Die Straßen von und rund um Boston, New York und dem Umland wirken sehr lebendig. Volle Märkte, Typen die Holz hacken, sägen oder die Straße fegen, Soldaten auf den Gehwegen die patrouillieren, nervende kleine Kinder, Tiere in ihren Lebenszonen wie etwa Pumas auf den Bergen oder Grizzlys die in der Nähe eines Sees auf Lachsfang gehen. All das vermittelt eine unheimlich lebendig funktionierende Spielwelt. Zudem verpassten die Macher AC:3 ein Wettersystem, welches durchweg mit Sonnenschein, Regen und gar Gewitter überzeugt. Toll ist auch, das man mit den Tieren in den Städten – also die, die euch nicht an die Wäsche wollen – interagieren kann. Egal ob Hund streicheln oder Schwein füttern, Tierfreunde kommen nicht zu kurz.
  • Connor kann in seinem Abenteuer nicht nur über Hausdächer, sondern auch über Bäume klettern. Da die Architektur der Kleinstädte spielerisch nicht unbedingt viel hergibt, ist das allerdings auch bitter nötig und sinnvoll, um die vielen Landstriche attraktiv zu machen. Das wandern über die Äste läuft dabei stets flüssig ab und eröffnet viele Wege, Tier und Feind um die Ecke zu bringen.
  • Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären, den Waffen. Denn natürlich geht Connor nicht ohne scharfe oder spitze Gegenstände aus dem Haus. So führt der junge Indianer neben dem Standartkram wie Giftpfeilen oder der Pistole zum Beispiel auch einen Tomahawk oder Wurfpfeile (die an einem Seil befestigt sind) mit sich, um Feindgefolge vom Baum aus aufzuhängen.
  • Die Spielzeit beläuft sich je nach Spielweise auf etwa 20-40 Stunden, rechnet man Nebenquests und Laufwege mit ein. Das ist schlicht und einfach Top! Hinzu gesellt sich auch noch der obligatorische Multiplayer-Modus, welcher für viele sicher nur eine kurzweilige nette Dreingabe sein dürfte.
  • Das Kampfsystem wurde überholt und dem von Rocksteady`s Batman angepasst. Heißt: In Teil 3 leuchtet nun bei einem Angriff der Gegner immer ein Symbol über dem Kopf auf, bei welchem es gilt die Block-Taste im richtigen Augenblick zu drücken und danach mit einer anderen Taste zu Kontern. Hier zeigt Connor dann seine frisch durchchoreographierten Moves, auch mal in Zeitlupe, welche richtig gut ausschauen und deutlich temporeicher als bei seinen Vorfahren ablaufen. Dass das Gegner-vermöbeln auf diese Art und Weise auch wieder Kinderleicht ist, muss wohl nicht erwähnt werden.
  • Tolle musikalische Untermalung, welche Qualitativ zwar nicht mehr an die Vorgänger heran reicht, aber dennoch überzeugt und vor allem präsent ist.
  • Viele Sammel-und Nebenaufgaben: Assassin`s Creed 3 ist natürlich auch wieder bis an den Rand mit Zusatzaufgaben voll gestopft. Federn, Buchseiten oder Schatztruhen zu sammeln steht genau so an der Tagesordnung wie Herausforderungen der Jäger oder Diebe zu erfüllen. Auch Kurier-oder Schläger-Missionen sind wieder mit an Bord. Neu sind zum Beispiel die Siedler-Aufträge in denen es gilt, Einwohner für euer Dörfchen zu gewinnen und so das Geschäft anzukurbeln.
  • Für die AC-Reihe wurde in Teil 3 ein recht umfangreiches Wirtschaftssystem mit Handwerkern, Bauern etc. eingeführt, welche in eurer Siedlung ansiedeln und Rohstoffe anbauen respektive verarbeiten. Diese gilt es dann in fertige Produkte umzuwandeln oder in die Städte zu exportieren, um letztendlich Kasse zu machen.
  • Die frisch eingeführten Schifffahrt-Missionen bieten eine willkommene Abwechslung neben dem Gameplay und vermitteln hier und da sogar ein wahres Blockbuster-Feeling. Wer also schon immer mal als Captain ein Schiff mit dicken Kanonen über die Weltmeere schippern und dabei andere Schiffe unter Beschuss nehmen wollte, der ist hier genau richtig.
  • Ein weiteres neues Feature ist das Jagen der verschiedensten Tierarten, welches wirklich Laune macht. Ihr könnt euch nun in Gebüschen verstecken, Fallen legen oder Köder auswerfen um die unterschiedlichen Vierbeiner wie Hasen, Hirsche oder auch Pumas anzulocken und zu erlegen. Profit lässt sich natürlich auch daraus schlagen – um so weniger Verletzungen das Tier aufweist, um so besser ist dies für die Geldbörse.

CONTRA:

  • Grafisch hat sich dagegen nichts getan. Assassins Creed 3 sieht genau so aus wie Revelations oder auch Brotherhood, nur eben mit anderer Architektur. Das kann man nun sehen wie man will. Denn sicher sahen bereits die Vorgänger erstklassig aus, dennoch hätte man hier und da ruhig noch einmal an der Grafikschraube für das Jahr 2012 drehen können. Denn einzig die Bewegungen von Connor wirken nun etwas geschmeidiger. Der Rest wie beispielsweise die Gesichtsanimationen, Texturen, Wasser, die Bewegungen der Pferde etc. pp. spiegeln sich quasi direkt aus den Vorgängern wieder und stellen keine Steigerung dar.
  • Etliche Grafikfehler und Bugs trüben den sonst sehr guten Eindruck. Flackernde Schatten und Kantenflimmern sind hier an der Tagesordnung, genau so wie auf ploppende Gegenstände in der Ferne, Kutschen die in Mauern herum hängen, Tiere die in Bäumen stecken bleiben und so weiter und so weiter. Also alles was das Spielerherz bei einem Vollpreistitel begehrt, oder nicht begehrt. Die Krönung meiner Spielsession war neben einem Auftraggeber der einfach mal unsichtbar war und so keine Aufträge vergeben konnte, unter anderem auch die Kameraperspektive, welche sich während einiger Missionen plötzlich nicht mehr justieren ließ und man nur noch auf den Boden blickte. Hier war dann immer ein Neustart nötig… sehr nervig!
  • Es gibt keine Heilungstränke mehr die die Lebensenergie pushen, was unter Umständen extrem Spaß-hemmend sein kann. Bewegt sich eure Energieleiste gen Nullpunkt, bleibt euch nur die erfolgreiche Flucht, die Situation auszuharren oder eben der Sieg um die Leiste automatisch wieder zu füllen. Andernfalls beißt ihr ins Gras.
  • So interessant und frisch die Änderung des Kampfsystems auch ist, so frustrierend kann es hin und wieder auch sein, da die Übersichtlichkeit hier und da durch die Kamera schnell verloren geht und man häufig eins auf den Deckel bekommt, weil man den Angriff einfach nicht kommen sah.
  • Connor bewegt sich für meinen Geschmack viel zu hektisch und das klettern geht jetzt noch schneller und leichter als in den Vorgängern – ja, eine Steigerung war durchaus noch möglich. Joggt oder rennt man mal locker durch die Stadt und kommt rein zufällig einer Hauswand oder einem Pfeiler zu nahe, rennt Connor das Objekt der Begierde gleich hoch und fängt zu klettern an.
  • Hat man einmal die Aufmerksamkeit der feindlichen Streitkräfte auf sich gezogen, ist eine Flucht, besonders in den Städten, nahezu unmöglich. Nicht nur das euch gleich immer das halbe Regiment Englands verfolgt, nein es bleibt auch meist nur der direkte Zwei- oder wie in diesem Fall Mehrkampf, um solch eine Situation zu klären.
  • Spricht Connor in seiner Heimat-Sprache, klingt dies einfach nur furchtbar! Die Idee dahinter ist zwar schön und gut, vor allem der Authentizität wegen. Die akustische Umsetzung allerdings ist absolut miserabel. Nicht nur das er immer klingt, als hätte er, ähhh, irgend etwas im Mund, nein seine Stimme hört sich auch noch an wie die eines mittelreifen Schuljungen.
  • Der Einstieg von AC:3 zieht sich wie ein alter Kaugummi und es dauert sage und schreibe 6(!) von 12 Sequenzen respektive Kapitel, bis ihr endlich mal einen fertigen Assassinen zu Gesicht bekommt und auch spielen könnt. Für meinen Geschmack ist ein halbes Spiel definitiv viel zu lang bis man zum Kern des ganzen Titels stößt. Ich mein, nichts gegen einen ordentlichen Einstieg, aber das war dann doch zu viel des Guten, denn ich will einen Assassinen spielen und nicht Papa durch die Meere schippern sehen.
  • Wie Connor zum Assassinen wird ist mal wieder recht plump. Bei Ezio war die Verwandlung anno dazumal ja schon peinlich schnell und ich dachte wirklich die Macher hätten, da sie nun erneut die Chance bekamen, ein wenig dazu gelernt. Aber nix da. In Assassin`s Creed 3 wird der neue Protagonist zwar obligatorisch trainiert, doch geschieht dies quasi nur auf dem Papier. Denn in der Praxis hat Connor als junger ungelernter Mann bereits die gleichen Fähigkeiten wie als fertiger Assassine. Zudem sind die Beweggründe die die Macher dem jungen Indianer auf den Rücken schürten, ehr bescheiden.
  • Es gibt keine wirklich hohen Gebäude mehr die es zu erklimmen gilt, denn die gab es zu dieser Zeit einfach noch nicht in New York oder Boston. Somit fällt die Abwechslung im Bereich der Kletterei sehr mager aus und die Städte sind bereits auf den kleineren Hütten komplett überschaubar. Hier fehlte mir häufig die Magie und fantastisch architektonische Wirkung der Vorgänger.
  • Es gibt nur noch Gemischtwarenläden in der Spielwelt, welche Utensilien wie Waffen, Munition etc. vertreiben. Kein Schmied, keinen Schneider und auch keine Banken mehr. Das ist sehr schade, denn dadurch wirkt die Umwelt nicht mehr so interaktiv, da man lediglich ein Geschäft alle paar hundert Meter betreten kann und diese auch immer schön die selbe Ware anbieten. Das ganze bringt zudem noch einen Nachteil mit sich, denn so gingen auch die einzelnen Rüstungs-Upgrades wie etwa Schulterpolster oder Stiefel flöten.
  • Teils sehr schwache Inszenierung von Ereignissen: Wie beispielsweise die Schlacht von Bunker Hill. Ja, häufig ist es einfach nur noch peinlich wie Ubisoft krampfhaft versucht alles so pompös und groß wie irgend möglich wirken zu lassen. Hier hätte man sich lieber auf das konzentrieren sollen was man kann.
  • Die Abmischung der Vertonung ist die meiste Zeit über ein Graus: An vielen Stellen deutlich zu leise, einige Effekte dafür wiederum viel zu laut und zudem überschneiden sich manche Dialoge auch noch so stark, das man letztendlich gar nichts mehr versteht.
  • Die Story: Diese pletschert meist nur so vor sich hin und man sucht stets vergebens nach einem wirklich nennenswerten Bezug den Connor zu der ganzen Sache hat, die man erlebt. Doch abgesehen von einem Faktor, ist er einfach nur ein Typ der das Geschehen mit erlebt und eben ein Assassinen-Kostüm trägt. Das Assassinen-Thema wird zudem wenn überhaupt, nur am Rand immer mal wieder lieblos aufgegriffen und die Macher verloren komplett den Fokus für die Thematik.
  • Die Abschnitte mit Desmond wirken sehr fad und vor allem Lieblos gestaltet. Zudem sind seine Passagen die meiste Zeit über durch unnötiges Gelaber irgendwelcher Gottheiten gefüllt, wo es mir ab einem gewissen Punkt jedenfalls schwer viel noch interessiert zu zuhören. Hier hat sich Ubisoft definitiv nicht viel Mühe gegeben und das „wichtige“ in der Gegenwart schlicht durch unendliche Dialogpassagen gefüllt.
  • Meist sehr nerviges, eintöniges Hauptmissions-Design, wie etwa das unauffällige Beschatten von Zielpersonen oder die ständigen Verfolgungsjagden zu Fuß.
  • Sehr schwaches, unbefriedigendes Ende. Bedenkt man, das mit dem dritten Teil sage und schreibe fünf Spiele dafür nötig waren.

FAZIT:

Assassin`s Creed 3 ist wirklich gut geworden, das steht außer Frage. Ubisoft schafft es einmal mehr durch eine lebendig wirkende Open World zu begeistern und den Spieler durch viel Entdeckenswertes, wie etwa die Tierwelt oder der ganzen Wälder etc., bei Laune zu halten. Das Jagen bietet immer wieder eine willkommene Abwechslung, was auch für die Schifffahrt- und obligatorischen Nebenmissionen gilt. Erstklassig ist neben der Synchro auch die Kampfchoreographie, bei welcher es einfach Spaß macht zu zuschauen wie Connor seine Gegner auf unterschiedlichste Art und Weise vermöbelt.

Apropos Connor, der geht in Ordnung, auch wenn er hier und da deutlich zu blass und steif wirkt, was auch für die ehr schwache Story gilt, welche meist nur so vor sich hin pletschert und durch geschichtliche Ereignisse auftrumpfen will. Das gelingt allerdings nur bedingt. Gravierende Änderungen sind also abgesehen vom Setting, den Bäumchen, Tieren und den Charakteren, nur marginal. Hinzu gesellt sich die inzwischen offensichtlich magere Technik, der viel, viel zu lange Einstieg und die dutzenden Grafikfehler und Bugs, welche so einfach nicht in ein fertiges Spiel gehören, da sie hin und wieder sogar den Spielverlauf stören können.

So gut dieser Teil also auch ist, so wenig konnte er mich im Vergleich zu seinen grandiosen Vorgängern begeistern und man merkt einfach immer wieder aufs neue das die Luft raus ist. Die Jungs und Mädels bei Ubisoft sollten der Assassins Creed-Serie also dringend mal eine wohl verdiente Pause gönnen, um in einigen Jahren mit wirklich frischen Ideen zum Kern der Sache zu finden und vor allem zu neuer alter Größe zu gelangen.

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