Spätestens Avatar hat die meisten Besucher auch oder gerade wegen des 3D-Erlebnisses in die Kino gebracht und mittlerweile dürfte ziemlich jeder hier mindestens einmal im Kino einen Film in 3D gesehen haben. Die älteren Semester können sich noch ganz gut an einen ähnlichen Run in die Kinos erinnern, der in den 80ern mit Star Wars und Der weisse Hai in 3D ausgelöst wurde. Die Euphorie währte damals nur kurz, aber es ist seither auch viel Zeit vergangen und die Technik hat sich weiterentwickelt. Der neuerliche 3D-Boom im Kino zeigt, dass für viele das Thema durchaus faszinierend ist und die Hersteller tun viel dafür, dieses 3D-Erlebnis auch in die eigenen vier Wände der Konsumenten zu bringen.

Sony spielt dabei mit einigen anderen Herstellern (wie Panasonic) eine Art Vorreiterrolle. Schon lange kursieren die Infos im Netz, dass Sony noch dieses Jahr die PlayStation 3 per Software-Update 3D-fähig machen wird- und das ohne Extrakosten für die PlayStation-Besitzer. Leider ist das natürlich nur ein Teil der zum 3D-Erlebnis führt, denn ohne Zusatzequipment geht es beim 3D-Gaming und 3D-Heimkino genausowenig wie im Kino. Um zu sehen was genau wir erwarten können, müssen wir zumindest in aller Kürze auf die Technik die hinter 3D steht eingehen:

Shutterbrille gegen polarisiertes Licht

Um einem Zuschauer einen dreidimensionalen Seheindruck zu verschaffen ist eigentlich nur eine ganz simple Maßnahme erforderlich: Man muss nur jedem Auge ein anderes Bild liefern können. Das ist schon alles. In der Praxis sieht man dabei recht gut, dass weiter entfernt liegende Objekte für jedes Auge auf einer anderen Position und je tiefer desto weiter entfernt voneinander dargstellt werden, was eben genau für den Tiefeneindruck sorgt.

Um jedem Auge ein andere Bild liefern zu können gibt es derzeit 3 unterschiedliche (sog. stereoskopische) Verfahren: Das schlechteste Verfahren und dabei das derzeit einzige ohne Zusatz-Hardware ist das allseits bekannte Verfahren mit der rot/grünen Brille (sog. Farbstereoskopie). Dabei filtert die rote Seite die roten Bildinhalte aus und die grüne Seite die grünen. Logisch, dass dabei die echten Farben verzerrt werden. Ein unschönes Verfahren, was in den oben erwähnten Achtzigern die anfängliche Euphorie auch sehr schnell getrübt hatte. Dennoch setzen Spiele wie das in Kürze erscheinende Batman: Arkham Asylum Game of the Year-Edition auf dieses Verfahren, da es ohne Zusatzhardware auskommt. Ein weitere Anpassung zu einem der im folgenden aufgeführten Verfahren ist aber durchaus wahrscheinlich, denn Joker’s Blässe kommt bei der Farbstereoskopie nicht wirklich gut rüber, wie man sehen kann:

Wesentlich interessanter sind nämlich zwei Verfahren, die als farbneutral gelten und in den Kinos zur derzeitigen 3D-Faszination beitragen: Bei der sog. “Polarisationsstereoskopie” werden im schnellen Wechsel Bilder gezeigt, die je nach Polarisationsrichtung des Lichts von der Brille pro Auge ausgefiltert werden. Das linke Auge sieht dabei nur Bilder die mit horizontal-welligem Licht gezeigt werden und das rechte eben nur vertikal-polarisierte Bilder.
Das andere Verfahren per Shutter-Brille zeigt ebenfalls im schnellen Wechsel die Bilder, jedoch werden schlichtweg die beiden Brillengläser in gleichem Wechsel getrübt, also undurchsichtig gemacht, eben geschlossen (englisch: to shut). Daher die Bezeichnung “Shutter-Brille”.

Eben dieses Verfahren ist es, das dieses Jahr noch weltweit für das Heimkino eingeführt wird. Sony hat gerade letzte Woche die ersten Brillen-Modelle vorgestellt, die preislich bei etwa 100 Euro liegen werden. Da in den Brillengläsern eine LCD-Folie eingebracht ist, die sich quasi um das Schließen der Augen kümmert ist in den Brillen ein Akku verbaut, der vor dem Film- und Spielgenuss aufgeladen sein muss. Für die Brillen wird es entsprechende Ladestationen geben.

Die neue TV-Generation kommt mit 3D-Emitter

Wir haben also nun die Brille und die PS3 (oder bei Filmen einen entsprechenden Blu-ray-Player), die 3D-Bilder liefern. Jetzt fehlt noch eine Komponente ohne die es ebenfalls nicht geht: Der Fernseher. Dieser muss doppelt so viele Bilder liefern können wie ein normaler Fernseher, eben für jedes Auge die Bilder getrennt und damit doppelt so viele. Normale Spiele laufen mit einer Bildwiederholfrequenz von 60 Bildern in der Sekunde. Der Fernseher muss also lediglich mindestens 120 Bilder in der Sekunde (= 120Hertz) liefern können. Kinderleicht für die jetztige TV-Generation. Die meisten 200Hz-TVs sind also vom Prinzip her in der Lage die Grundlage für 3D zu liefern. Die neuen 3D-TV-Geräte kommen mit 200Hertz daher und haben zusätzlich noch einen Infrarot-Emitter eingebaut, der den Brillen die genaue Taktfrequenz vorgibt, nach der sie die Gläser abzudunkeln haben. Dieser Emitter wird aber auch als zusätzliches kleines Kästchen erhältlich sein und kann wenn der TV dafür vorbereitet ist daran angeschlossen werden. Ansonsten wird der Emitter in den Zuspieler (also PS3 oder Blu-ray-Player) gestöpselt.

Sony hat vor Kurzem ein Gerät der neuen TV-Generation vorgestellt, das diesen Emitter bereits fest verbaut mitbringt. Der BRAVIA LX900-3D wird bei den meisten 3D-Fans für feuchte Träume sorgen. Der Preis steht zwar noch nicht fest, dürfte aber bei Markteinführung nach unserer Einschätzung bei ungefähr 1800 Euro für 40 Zoll liegen. Bei diesem Gerät braucht man dann wirklich nur noch die Brille und das PS3-Softwareupdate um in den Genuss des 3D-Gamings zu kommen.

Welche Spiele, welche Filme?

Jetzt kommt die beste Nachricht: Prinzipiell JEDES Spiel das selbst in einer 3D-Welt spielt, kann mit dem optischen 3D-Verfahren ausgestattet werden. Und das sogar rückwirkend und ohne großen Aufwand für die Entwickler, denn die Tiefeninformationen kommen bei allen 3D-Spielen quasi von Haus aus mit, da die Engine diese ohnehin zur Darstellung braucht. Die 3D-Software schaltet sich lediglich zwischen, um die Bilder für beide Augen zu berechnen. Ein Verfahren, was relativ wenig Rechnenleistung benötigt, sehr gut auf auf die Prozessoren verteilt werden kann und damit die PS3 nicht sonderlich mehr belastet.

Filme mit realen Schauspielern müssen allerdings schon während des Drehs mit Zweilinsen-Kameras gefilmt werden. Animationsfilme (z.B. von Pixar) können dafür aber (genau wie Videospiele) sehr leicht “nachgerüstet” werden. Entsprechende 3D-Re-Releases von Blu-rays wie beispielsweise Findet Nemo und anderen sind mehr als wahrscheinlich.

Schöne neue 3D-Welt

Kritiker werden 3D mal wieder als erneuten Versuch abstempeln, neue Geräte an den Konsumenten zu bringen. In der Konsequenz bestimmt aber eben genau das das Handeln von Wirtschaftsunternehmen. In jedem Fall kann man sich der Faszination, die von der Dreidimensionalität der Bilder ausgeht nicht so einfach entziehen. Die Besucherzahlen der 3D-Kinofilme machen das sehr deutlich. Die sogenannten “Early-Adopters” also die Frühkäufer werden dafür mit einer Technik belohnt, die schon sehr ausgereift und in Kinos in millionenfachem Einsatz ist.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Spielehersteller und Filmverleiher mitziehen und flächendeckend ihre Spiele und Filme mit der 3d-Technik ausstatten. Die Grundlagen sind da und ausgereift- darüber hinaus sogar von der Umsetzung einfach. Hoffen wir, dass es nicht an der Zukaufpolitik für Downloads der Spielehersteller oder der intervallhaften Veröffentlichungspolitik der Filmstudios scheitern wird.

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